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  • Felgen- und Reifenratgeber - Traglast, Geschwindigkeitsindex, Breite, Höhe, Tiefe...

    Hi zusammen,

    Vorwort
    ich dachte mir - es wäre doch sicherlich mal ganz nützlich, ein paar Informationen bezüglich Reifen und Felgen gesammelt zur Verfügung zu stellen.
    Sicherlich dachte sich der eine oder andere schon mal. Was für Reifen darf ich eigentlich fahren, was genau hat es mit den Traglasten auf sich und was für Eigenheiten haben diese runden Dinger mit dem schwarzen runden Gummirand drauf noch so an sich.

    Reifen - die harten Fakten
    Michelin Pilot Sport PS4 XL 225/40 18 92Y
    Das wäre eine übliche Reifenbezeichnung. Für diejenigen, die nicht wissen, was das alles im einzelnen Bedeutet, alles mal kurz aufgeschlüsselt:
    • XL - Wenn vorhanden, bedeutet das Xtra Load. Das heißt, die Traglast des Reifens liegt etwas höher. Nicht selten gibt es den gleichen Reifen noch OHNE XL-Markierung, dort ist dann die Tragfähigkeit gegenüber dem XL-Reifen reduziert. Das erkennt man unmittelbar an der Traglastkennzeichnung und bedarf keiner weiteren Umrechnung o.ä. sondern dient so gesehen lediglich als Info. Entscheidend ist einzig und alleine die endgültige Traglast.
    • 225 - Reifenbreite bzw. Laufflächebreite in Millimetern.
    • 40 - Flankenhöhe als Prozentangabe der Laufflächenbreite. Das wären konkret in diesem Beispiel also 40% von 225mm = 90mm. Das ist auch der Grund, warum ein 255/35 Reifen (35% von 255mm=89,25mm) die annähernd gleiche Flankenhöhe hat wie ein 225/40. Das beeinflusst auch maßgeblich den Abrollumfang des Reifens
    • 18 - benötigter Felgendurchmesser in Zoll
    • 92 - Tragfähigkeitsindex. Diese Zahl muss entsprechend umgeschlüsselt werden. die 92 Entspricht 630kg. Das ist ggf. später relevant, ob man den Reifen fahren darf oder nicht, ne nach Achslast des Fahrzeugs
    • Y - Geschwindigkeitsindex. Y entspricht einer Freigabe bis 300km/h



    Traglast, Achslast, Geschwindigkeitsindex, Abrollumfang - was!?
    Wichtig ist an dieser Stelle auch die sogenannte Geschwindigkeitsabhängige Traglastreduktion eines Reifens.
    Zunächst einmal müssen die Reifen als Paar mindestens die Achslasten des Fahrzeugs tragen können. Das sind am Beispiel des E92 335i vfl mit Schaltgetriebe 960kg für die Vorderachse und 1080kg für die Hinterachse.
    Wären also mindestens Lastindex 83 (=480kg pro Reifen * 2=974kg) vorne und 87 (=545kg=1090kg) hinten.
    Ist der Lastindex des Reifens also mindestens dieser Zahl entsprechend oder darüber, ist die Sache theoretisch Eintragungsfähig. Warum nur theoretisch? Hier kommt der Geschwindigkeitsindex zum Tragen.
    Gleich vorweg - bei Reifen mit Speedindex Y kann man das erstmal ignorieren.
    Grundsätzlich muss man die Tragfähigkeit eines Reifens nach unten korrigieren, wenn sich diese seiner Maximalgeschwindigkeit nähert.
    In unserem Beispiel hat das Auto eine eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 250km/h. Dazu kommt eine Toleranz von 9km/h. Die kann man auch noch genauer berechnen aber der Unterschied ist marginal, daher reichen die 9km/h locker aus
    Bemessungsgrundlage ist also die Tragfähigkeit bei rund 260km/h
    Lt. dieser Tabelle kann ein Reifen mit Speedindex W (=270km/h) bei den geforderten 260km/h also nur noch 90% der angegebenen Traglast heben.
    Ganz konkret würde das bedeuten, dass ein Federal SS595RS-R in 225/40/18 88W auf der Hinterachse eines E92 335i nicht mehr gefahren werden darf - zumindest nicht ohne ablasten der Hinterachse.
    88 entspricht 560kg, davon 90% sind 504kg = 1008kg. Also 72kg zu wenig. Hier wäre dann die 235/40 Variante nötig, welche mit 90W angegeben ist. 91=615kg, davon 90% sind 553,5kg*2=1107kg.

    Desweiteren gibt es beim Eintragen lassen noch den Abrollumfang. Dieser sollte nach Möglichkeit den Serienwerten des Autos entsprechen. Geringe Abweichungen können ggf. vom TÜV toleriert werden, manchmal stören die TÜVer sich aber auch an geringsten Abweichungen schon. Desweiteren sollte der Umfang zwischen den Achsen nicht zu stark unterschiedlich sein. Bis 1,5% gibt BMW seinen Segen darauf, dass die Regelsysteme (ABS/DSC) das ohne Einschränkungen in der Funktion auch wegstecken. Falls ihr also zum Beispiel 225/40/18 vorne und 235/40/18 hinten fahren wollt, passt das mit 1,3% noch. Klärt das aber bitte im Vorfeld mit eurem Prüfer ab, was ihr vor habt. Der wird euch dann entweder vom Hof scheuchen oder euch sagen, was für Dokumente ihr liefern müsst, damit er das einträgt.
    Unser Prüfer möchte in der Regel (falls unterschiedliche Reifengrößen) eine Freigabe von BMW bzgl. ABS/DSC sehen, ein Teilegutachten zur Felge und - falls im Teilegutachten der Felge keine oder nicht die gewünschten Reifenmaße drinstehen - eine Reifenfreigabe des Reifenherstellers.

    Sollte ein Reifen die benötigte Traglast nicht erreichen und ihr wollt aber ohnehin die Karre ausräumen, bietet sich eine Ablastung an. So könnte man z.B. die Rückbank streichen und auf einen Schlag 150kg Achslast (HA) einsparen. Auch hier nach Möglichkeit euer Vorhaben im Vorfeld mit eurem Prüfer abklären. Oft bietet es sich hier an, nach DMSB Prüfern zu suchen, die haben eher die Motivation dazu, sich damit auch überhaupt auseinandersetzen zu wollen. Mancher "Brot und Butter-"Prüfer hat ggf. einfach keine Lust dazu und lässt euch mit einem simplen "geht nicht, können wir nicht, nicht zulässig" o.ä. abblitzen.


    Felgen
    8Jx18H2 ET20
    So könnte eine Bezeichnung einer Felge lauten.
    • 8 - Felgenbreite - genauer gesagt, Felgenmaulweite in Zoll. Gemessen wird hier die Breite des Felgenhorns auf der Innenseite
    • J - Dieser Buchstabe kennzeichnet die Form des Felgenhorns. Es gibt noch andere, welche aber - soweit mir bekannt - keine Erwähnenswerte Relevanz haben. Auch wenn es öfters so dargestellt wird, ist der Buchstabe J keine Maßeinheit o.ä.
    • 18 - Felgendurchmesser in Zoll
    • H2 - Doppelhump. Der bzw. die Hump sind im inneren der Felge, welche verhindern, dass der Reifen bei Kurvenfahrt (in Kombination mit wenig Luftdruck) ins innere der Felge abrutschen können. Es gibt auch Bezeichnungen wie EH2 oder EH2+. Hier wurde der Hump etwas anders geformt, was überwiegend den Runflatreifen geschuldet ist. Es kann aber auch jeder normale Reifen auf einer EH2+ Felge gefahren werden. In der Regel muss man sich hierzu keine Gedanken machen, da praktisch alle modernen Felgen mindestens H2 entsprechen, also je einen Hump pro Seite haben. Lediglich bei Runflat Reifen muss die Felge auch für solche geeignet sein.
    • ET20 - gibt die sogenannte Einpresstiefe der Felge an. Gerne auch als IS markiert oder Offset. Diese Zahl gibt in Millimeter an, wie weit die Auflagefläche der Nabe von der Felgenmitte entfernt ist. Das bedeutet: Bei einer Felge mit 8" Breite und ET0 ragt die Felge rund 10cm nach innen ins Radhaus und 10cm nach außen Richtung Fahrzeugaußenseite. Ist die Felge nun statt ET0 mit ET50 angegeben, kommen zur jeweiligen Hälfte von ~10cm noch 5cm hinzu. Somit zeigen ~15cm der Felge nach innen ins Radhaus, die restlichen 5cm nach Aussen zum Radlauf. Spurplatten verringern dementsprechend die Einpresstiefe. So würde aus der ET50 Felge in Kombination mit einer 20mm dicken Spurplatte eine kombinierte Einpresstiefe von ET30 werden. Das Rad wandert dabei naturgemäß weiter nach draußen, wohin auch sonst.
    • 5x120 oder 5/120 - Wenn ihr sowas seht, ist das die Markierung für den Lochkreis. 5 steht für fünf Bohrungen und 120 für den Durchmesser in Millimeter. Nahezu alle BMW haben diesen Lochkreis, aus dem Kopf weiß ich lediglich, dass z.B. der E30 und sicherlich einige ältere noch mit 4/100 Unterwegs sind und die neuen Varianten mit Frontantrieb und Quermotor auf 5/112 setzen. Dieser Lochkreis ist insbesondere aus dem VAG Konzern bekannt.
    • 72,6mm - das ist bei BMW der für die meisten Modelle verwendete Durchmesser der Felgenmittenzentrierung. Also der Ring, über den ihr die Felge steckt. Lediglich der E39 und X5/X6 verwenden die größere Nabe mit 74,1mm. Beim 4/100 Lochkreis ist natürlich eine deutlich kleinere Nabenbohrung vorhanden.


    Wenn es ein Teilegutachten zu eurer Wunschfelge gibt, in dem euer Auto auftaucht, ist das alles recht Stressfrei, wenn eure Wunsch-Reifengröße in diesem Gutachten auftaucht, umso mehr. Wenn allerdings ein (Gewinde-)Fahrwerk verbaut ist oder Spurplatten mit eingetragen werden sollen, wird daraus automatisch eine Einzelabnahme. Da sich alle Dinge mehr oder weniger gegenseitig beeinflussen, müssen diese als Kombination eingetragen werden.
    Wenn euer Fahrzeug nicht im Teilegutachten der Felge auftaucht oder ihr z.B. eine original BMW Felge eines anderen Modells habt, besteht dennoch die Möglichkeit, diese eintragen zu lassen. In diesem Fall müsst ihr euch auch wieder genauer mit eurem Prüfer absprechen, was ihr liefern müsst. Meiner möchte in der Regel ein Vergleichsgutachten einer anderen beliebigen Felge mit gleicher Breite und Durchmesser, im Idealfall sogar mit gleicher Einpresstiefe. Letzteres ist aber nicht zwingend notwendig, sofern die Freigängigkeit im Radhaus gegeben ist und die Spurweitenänderung nicht zu stark ist. Desweiteren gilt, wie auch schon bei den Reifen, die Felge muss natürlich das Gewicht des Fahrzeugs tragen können. Auch hier ist die Tragfähigkeit der einzelnen Felge zu verdoppeln, da wir natürlich je zwei Felgen pro Achse fahren.
    Bei originalen BMW Felgen kann ein Tragfähigkeitsgutachten zur Felge bei kundenbetreuung@bmw.de angefordert werden.
    Beachtet, dass bei manchen Gewindefahrwerken an der Vorderachse u.U. Spurplatten gefahren werden müssen, da sonst die Felge innen an den Verstellring/unteren Federteller oder die Feder selbst kommen kann. Dazu kann man aber keine Pauschalaussage machen.
    Wenn aber vorne Spurplatten drauf müssen, müsst ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit auch hinten Platten fahren, da eine größere Spurweite bzw. Änderung derselben nur vorne (leider) nicht zulässig ist.


    V.1 16.02.2017

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